Narrative Exempelkritik? Zu Ralf-Henning Steinmetz, ›Exempel und Auslegung‹

Verfasser / Beitragende:
[Detlef Roth]
Ort, Verlag, Jahr:
2003
Enthalten in:
Beiträge zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur, 125/1(2003-06-23), 82-93
Format:
Artikel (online)
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520 3 |a Die Erzählung der ›Sieben weisen Meister‹ (SwM) gehört weltweit zu den am weitesten verbreiteten Stoffen. Sie weist eine rund 700jährige Erfolgsgeschichte mit mehreren Dutzend Versionen in Europa und im Orient auf, die sich auf folgenden inhaltlichen Kern zusammenfassen lassen: Der Sohn eines Kaisers wird von der Kaiserin, seiner Stiefmutter, zu Unrecht der versuchten Vergewaltigung bezichtigt und von seinem Vater zum Tode verurteilt. Die Erzieher des Sohnes, die sieben weisen Meister, erzählen dem Kaiser jedoch während der folgenden sieben Tage Geschichten, aufgrund deren der Kaiser das Urteil jeweils um einen Tag aufschiebt. Die Kaiserin wiederum erzählt ihrem Mann jeden Abend eine Gegengeschichte, worauf der Kaiser jeweils das Todesurteil gegen seinen Sohn erneuert. In manchen Versionen erzählt am Schluß der Sohn selbst noch eine Geschichte. Eine der verbreitetsten Versionen der SwM ist die vermutlich im ersten Drittel des 14. Jahrhunderts entstandene Version H, die ›Historia septem sapientum‹, die Anfang des 15. Jahrhunderts ins Deutsche und mit dem Buchdruck in beinahe alle europäische Volkssprachen übersetzt wurde. Doch es gibt weder eine neuere Untersuchung zur Überlieferung noch eine neuere Edition der lateinischen ›Historia‹, die für die weitere Erforschung der Version H grundlegend wäre. Literar-und kulturhistorische Studien sind dementsprechend nur in Ansätzen vorhanden. 
540 |a © Max Niemeyer Verlag GmbH, Tübingen 2003 
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