Hans Schultz zum Gedächtnis

Verfasser / Beitragende:
[Hans-Heinrich Jescheck]
Ort, Verlag, Jahr:
2003
Enthalten in:
Zeitschrift für die Gesamte Strafrechtswissenschaft, 115/3(2003-12-02), 459-468
Format:
Artikel (online)
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520 3 |a Am 13. Mai 2003 ist Hans Schultz gestorben. Ich hatte ihn noch am Vormittag dieses Tages in dem Heim in Thun angerufen, in dem er Aufnahme gefunden hatte, ohne ihn zu erreichen, was mich jedoch nicht beunruhigte, da wir noch in der Vorwoche zusammen telefoniert hatten, ohne daß ich Anzeichen einer Verschlechterung seines Zustands bemerkt hätte. Vier Tage später, als ich ihn wieder anrufen wollte, lag die Todesanzeige auf meinem Schreibtisch. Ich war tief betroffen, denn wir waren fast fünf Jahrzehnte Freunde gewesen und seine Freundschaft hatte mich nach dem verheerenden Absturz Deutschlands beglückt und ermutigt. Wir haben regelmäßig unsere Publikationen ausgetauscht, eine fortlaufende Korrespondenz geführt, uns in Thun und Freiburg besucht, an Leben und Schicksal der Familien teilgenommen und sind gewissermaßen zusammen alt geworden. In der Kriminalpolitik bin ich seiner viel liberaleren Konzeption immer näher gerückt, während er gegenüber meiner von Welzel herrührenden Position der "personalen Unrechtslehre” als Grundlage der Dogmatik seine Bedenken hatte. Nun war ich plötzlich allein! Zugleich fiel mir in diesem Augenblick schwer auf die Seele, daß wir in unserer Wissenschaft eine der großen Persönlichkeiten verloren hatten, den "Altmeister”, wie ihn sein Schüler und Freund Stefan Trechsel in seinem Nachruf in der "Neuen Zürcher Zeitung” genannt hatte. 
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