Henry Wassermann, die deutsche Kollektivschuld und das Ausbleiben des Messias

Verfasser / Beitragende:
[Stefan Rohrbacher]
Ort, Verlag, Jahr:
2004
Enthalten in:
Aschkenas, 13/2(2004-07-03), 509-512
Format:
Artikel (online)
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520 3 |a Im letzten Heft dieser Zeitschrift hat Henry Wassermann das kollektive Profil einiger >>junger deutscher Wissenschaftler<< entworfen, deren Beschäftigung mit der Geschichte ihrer eigenen Nation, mit dem Antisemitismus und dem Mord an der europäischen Judenheit von bedenklichen Deformationen zeugt - und zwar sowohl von menschlichen als auch von professionellen Deformationen. Diese Angehörigen einer nachgeborenen Generation, die in den bequemen Gewißheiten der Nachkriegszeit aufgewachsen sind und selbst niemals vor ein existenzielles Dilemma, eine ernsthafte moralische Probe gestellt waren, nehmen gegenüber der älteren Generation, ja tatsächlich gegenüber allen früheren Generationen der Deutschen eine Haltung der äußersten moralischen Unerbittlichkeit an, jederzeit bereit zum gnadenlosen pauschalen Verdammungsurteil. So greift die johlende Meute jugendlicher Deutscher in einem Fernsehstudio, in dem Daniel Jonah Goldhagen seine Thesen vorträgt, jede noch so abseitige Anklage, jede noch so unwahrscheinliche Behauptung bereitwillig auf, wenn sie nur die deutsche Geschichte und die deutschen Vorväter in schlechtem Licht erscheinen läßt, und verschließt sich jedem Bedenken, jedem differenzierenden Einwand. Vor dem Bildschirm erkennt ein schockierter Henry Wassermann intuitiv, >>that I had been watching a generation phenomenon<<. 
540 |a © Max Niemeyer Verlag GmbH, Postfach 2140, D-72011 Tübingen, 2003 
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