Internationales Germanistenlexikon 1800-1950. Hg. und eingeleitet von Christoph König. 2003

Verfasser / Beitragende:
[Theodore Ziolkowski]
Ort, Verlag, Jahr:
2004
Enthalten in:
Arbitrium, 22/1(2004-10-10), 3-7
Format:
Artikel (online)
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520 3 |a Traute man der Tagespresse (etwa Der Spiegel 48/2003), könnte der nichtsahnende Leser aus den sensationslüsternen, manchmal maliziösen Rezensionen schließen, es handle sich bei dem neuen Germanistenlexikon um nichts weiteres als ein digitales Schurkenverzeichnis der Hochschulgermanisten, die sich dem Nationalsozialismus verschworen haben, und folglich um eine kollektive Denunziation unseres Fachs. Tippt man zwar "NSDAP" in die "erweiterte Suche" der CD-ROM-Fassung, ergeben sich gleich 226 Treffer. In vielen Fällen handelt es sich aber um Menschen, die eben "kein Mitglied" waren oder die keinen Antrag eingereicht haben beziehungsweise denen kein Parteibuch ausgehändigt wurde. An und für sich ist "Mitgliedschaft" nichts als eine Tatsache, die weiterer Erklärung bedarf. Wie schätzt man zum Beispiel Friedrich Beißners Partei-Mitgliedschaft ein, die von vielen Zeitzeugen als "distanziert" und "geringfügig" beschrieben wurde, im Vergleich mit seinem nur dadurch möglichen Verdienst, im Jahr 1943 die Hölderlin-Gesellschaft gegründet und die Große Stuttgarter Ausgabe unternommen zu haben? Ähnliche Komplexitäten ergeben sich, wenn man "SED" (17 Treffer) eingibt: In drei Fällen handelt es sich um Kollegen, die mit der Partei Schwierigkeiten hatten; in zwei weiteren Fällen um Nordisten, die in der Zeitschrift Saga och Sed publizierten; und einmal (ausgerechnet in einem Nachruf für NSDAP-Mitglied Josef Nadler) um das lateinische Zitat non moriar, sed vivam. Der Computer ist eben unnachgiebig; da ist höchste Vorsicht geboten. 
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