Das Strafrecht auf der Schwelle zum europäischen Verfassungsvertrag: Ein Rückblick auf die außerordentliche Strafrechtslehrertagung am 7. und 8. November 2003 in Dresden
Gespeichert in:
Verfasser / Beitragende:
[Claus Kreß]
Ort, Verlag, Jahr:
2004
Enthalten in:
Zeitschrift für die Gesamte Strafrechtswissenschaft, 116/2(2004-08-01), 445-474
Format:
Artikel (online)
Online Zugang:
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| 520 | 3 | |a Bismarcks Sieg im Ringen um die (Abschaffung der) Todesstrafe auf dem Weg zur deutschen Strafrechtseinheit im 19. Jahrhundert habe - so Professor Amelung (Dresden) in seiner Begrüßungsansprache zur außerordentlichen Strafrechtslehrertagung - erwiesen, dass Humanität und Freiheit in der Siedehitze der Integration Schaden nehmen können. Bei der Integration Europas gehe es jedoch nicht um die Durchsetzung liberaler Prinzipien gegen eine prinzipiell illiberale Macht. Auch hätten die nach der Erfahrung mit Nationalsozialismus und Kommunismus in sehr spezieller Weise freiheitsempfindlichen Deutschen bei europäischen Debatten über die Notwendigkeit von Freiheitseinschränkungen den Hinweis etwa von Engländern, Franzosen, Schweden und Niederländern ernst zu nehmen, dass gewisse Freiheitseinbußen in diesen Ländern nicht zum Absturz in despotische Verhältnisse geführt haben. Dennoch verfügten die Deutschen in Anbetracht der Entgleisung der Geschichte ihres Landes über eine Art Erfahrungsvorsprung, der als Frühwarnsystem vor dem Abgleiten in blanke Illiberalität fungieren könne. Mit solchen sorgfältig austarierten Erwägungen stellte Amelung gleich zu Beginn die Ambivalenz der Bewertungsmaßstäbe zum Tagungsthema heraus und gab immerhin den deutschen unter den deutschsprachigen Strafrechtslehrern und Strafrechtslehrerinnen einen gerade angesichts der in kritischer Absicht anberaumten Debatte sehr geeigneten Kompass mit auf den Parcours des Dresdener Diskurses über das Strafrecht in Europa an der Schwelle zum Verfassungsvertrag. | |
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