Vorwort zum Themenheft Antike und Moderne

Verfasser / Beitragende:
[Hans Ulrich Seeber]
Ort, Verlag, Jahr:
2004
Enthalten in:
Anglia - Zeitschrift für englische Philologie, 122/1(2004-10-23), 1-5
Format:
Artikel (online)
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520 3 |a Im Umfeld der Unterhaltungsindustrie und der wissenschaftlich, technisch und ökonomisch ausgerichteten Kultur der Gegenwart eignet humanistischer Bildung mittlerweile der Reiz des Exotischen. Was bis zum 19. Jahrhundert zur kulturellen Selbstverständlichkeit gehörte, deren Erhaltung und Verbreitung Aufgabe prestigereicher Bildungsinstitutionen war, hat heute für die meisten Studierenden den Status einer terra incognita, über die ihre älteren Lehrer vielleicht noch mit Pathos und Melancholie berichteten. In der Literatur und in den bildenden Künsten spielen die antiken Modelle in der Regel nur noch eine marginale Rolle. Die neuzeitliche Hoch- und Popkultur hat, von Faust, Hamlet und Frankenstein bis zu Sherlock Holmes, Dracula, Batman und Terminator ihre eigenen Mythen, Idole und Ikonen geschaffen, die moderne Ängste, Hoffnungen, Werte und Probleme verbildlichen. Magie und Teufelskunde scheinen wichtiger als Äneas und die vierte Ekloge. Die Erhebung des alten Griechenland zum idealen Gegenbild und die sie stützende antimodern-antiutilitaristische Gesinnung des neuhumanistischen Gymnasiums ließen sich offenbar nicht mehr aufrechterhalten. 
540 |a © Max Niemeyer Verlag GmbH, Tübingen 2003 
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